Daniel Lehnert

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Daniel Lehnert
Doktorand im Promotionskolleg Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität

Universität Tübingen
Promotionskolleg Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität
Gartenstraße 29
72074 Tübingen

daniel.lehnert@uni-tuebingen.de


Zur Person

Daniel Lehnert hat Soziologie, Politikwissenschaft und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert. In seiner Masterarbeit befasste er sich mit Begriffen und Diskursen der kollektiven Identität im Kontext der Neuen Rechten. Daniel Lehnert war Tutor und Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der LMU München. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Soziologie der Humandifferenzierungen, der Soziologie sozialer Ungleichheit, der Soziologischen Theorie und der qualitativen Sozialforschung.


Promotion

Solidaritätsvorstellungen in der Mittelschicht und rechtspopulistische Familienpolitik. Zur sozialen Situation von Familien im reformierten Wohlfahrtsstaat

Die Familie gilt in der AfD als Garantin für die Lösung sozialer Probleme. In diesem Zusammenhang fällt die widersprüchliche Konzipierung der Familie in der Programmatik der Partei auf. Sie wird einerseits als zentraler Ort von Solidarität und wechselseitiger Verantwortung im Gegensatz zu wohlfahrtsstaatlichen Absicherungen begriffen, andererseits fordern insbesondere nationalistische Strömungen der AfD den Ausbau sozialstaatlicher Leistungen für heterosexuelle und deutsche Familien. Mit Blick auf die anhaltende Relevanz traditioneller Familienleitbilder, deren identitätskonstitutive und politische Bedeutung in unterschiedlichen Familienkonstellationen sozialwissenschaftlich verstärkt problematisiert wird, erweisen sich mögliche Anschlüsse rechtspopulistischer Familien- und Sozialpolitik an Vorstellungen in der Bevölkerung als klärungsbedürftig. Mein Dissertationsprojekt möchte daher die sozialen Bedingungen familiären Zusammenlebens und daran gekoppelte Solidaritätsvorstellungen in den Blick nehmen. Im Zentrum steht die These, dass die Anschlussfähigkeit rechtspopulistischer Politikangebote in Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen des Wohlfahrtsstaats steht. Sozialpolitische Reformen der Inklusionsvermittlung in Familie, Arbeitsmarkt und Wohlfahrtsstaat haben sowohl zu einem Abbau von Diskriminierungen als auch von sozialen Sicherheiten geführt. Neben Errungenschaften wie der ökonomischen und rechtlichen Gleichstellung von Frauen lassen sich auch neue Ungleichheiten wie die Individualisierung von Lebensrisiken, prekäre Formen der Erwerbsarbeit und die Veränderung eingespielter Sorgeverhältnisse beobachten. Wie wirken sich diese Umbrüche auf die personale Identität und die familiäre Verteilung von Fürsorge- und Erwerbsarbeit aus? Lässt sich ein Zusammenhang zwischen prekären bzw. prekär gewordenen Lebensläufen im reformierten Wohlfahrtsstaat und der Artikulation von Solidaritätsbereitschaften beobachten, die die Anschlussfähigkeit einer rechtspopulistischen Familien- und Sozialpolitik wahrscheinlich machen? Um diese Fragen untersuchen zu können, befrage ich im Rahmen einer qualitativ-empirischen Studie Familien aus unterschiedlichen Fraktionen der Mittelschicht zu ihren Entwürfen familiären Zusammenlebens.

Betreuung:
Prof. Dr. Marion Müller
Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky
Prof. Dr. Matthias Möhring-Hesse