Philipp Rhein

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Philipp Rhein
Doktorand im Promotionskolleg Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität

rheinphilipp@gmail.com


Zur Person

Philipp Rhein hat Soziologie, Europäische Ethnologie/Kulturanthropologie und Gender Studies in Freiburg, Jerusalem und München studiert. In seiner Masterarbeit befasste er sich mit dem gesellschaftlichen Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit, Nichtwahl und extrem rechten Einstellungstendenzen. Als studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Stephan Lessenich war er für das Forschungsprojekt „Politische Lebenswelten in München. Warum Menschen (nicht) wählen gehen“ verantwortlich. Daneben arbeitete Philipp Rhein am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. – ISF München. Seine arbeitssoziologische Tätigkeit dort umfasste die Erforschung von Digitalisierung und Arbeitshandeln in mittelständischen Unternehmen sowie die Mitarbeit an der Evaluation des Gewerkschaftlichen Erschließungsprojekts (GEP) der IG Metall. Zuletzt war Philipp Rhein Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Politische Soziologie sozialer Ungleichheit der LMU München tätig. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Soziologie sozialer Ungleichheit, Sozialtheorie, Arbeitssoziologie und Wissenschaftssoziologie.


Promotion

Das Gesellschaftsbild der Nichtwähler. Dispositionen und Positionierungen exkludierender Solidarität

Der völkische Wohlstandschauvinismus, der insbesondere in der sozialpolitischen Programmatik der AfD zum Vorschein kommt, trifft gegenwärtig auf eine nicht geringe Nachfrage. Es ist auffällig, dass die AfD darunter eine erhebliche Zahl an ehemaligen Nichtwähler*innen gewinnen konnte. Zwar kann angenommen werden, dass die Nachfrage nach politischen Angeboten der Restauration von Wohlstands- und Prosperitätsversprechen durch sozialpolitisch durchzusetzende Etabliertenvorrechte einerseits auf dem Boden von Ungleichheitsstrukturen erwachsen. Andererseits ist auffällig und erklärungsbedürftig, dass für die Wahl einer Partei wie der AfD noch vor real-materiell erfahrener Ungleichheit in erster Linie die subjektive Einschätzung der eigenen Lebenslage und der generellen ökonomischen, kulturellen und politischen Situation entscheidend ist. AfD-Wähler*innen sind mit ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage überdurchschnittlich häufig unzufrieden und sie glauben, in materieller Hinsicht ungerecht behandelt worden zu sein. Unter ihnen ist ein generelles Empfinden gesellschaftlicher Zurücksetzung und Angst vor Statusverlust stark verbreitet. Die Statusdimension ist instruktiv hinsichtlich der Aktivierung einer Nachfrage nach rechtspopulistisch-exkludierenden sozialpolitischen Programmen. Sie verweist auf den Gesellschaftsbezug politischen Handelns. Welche statusrelevanten Vorstellungen lassen sich also unter AfD-Wähler*innen ausmachen, wer aus welchen Gründen welche Form sozialpolitischer Inklusion verdiene und wer aus welchen Gründen davon ausgeschlossen sein soll? Diese Fragen werden theoretisch gerahmt, indem davon ausgegangen wird, dass Menschen mit Vorstellungen und Bildern von jener Gesellschaft operieren, in der sie sich selbst verorten und die für ihre Handlungsbezüge relevant sind. Soziales Handeln gewinnt seinen Sinnbezug so notwendigerweise durch die Gesellschaftsbilder, sodass die Frage nach den Solidaritätsvorstellungen folgendermaßen operationalisiert wird: Zu welchen Solidaritätsvorstellungen in diesen Gesellschaftsbildern verhält sich die sozialpolitische Programmatik der AfD komplementär? Diese Frage wird exemplarisch an AfD Wähler*innen mit Nichtwahlvergangenheit bearbeitet, da sich daran auf besondere Weise der Mobilisierungseffekt von rechtem Populismus ablesen lässt. Mit diesem Fokus ist der Anspruch verbunden, über den spezifischen Fall hinausblicken zu können, denn es lässt sich grundsätzlich annehmen, dass vorangegangene Nichtwahlentscheidungen in Verbindung mit einem problematischen Passungsverhältnis zwischen bestimmten, latent vorhandenen Solidaritätsvorstellungen und einer gegebenen politischen Angebotserstellung stehen. Das Promotionsvorhaben hat damit eine gesellschaftliche Problemstellung der zunehmenden Popularität und gesteigerten Anschlussfähigkeit rechter politischer Angebote im Zusammenhang mit solidaritätsbezogenen Nachfragen im Blick.

Betreuer:
Prof. Dr. Stephan Lessenich
Prof. Dr. Matthias Möhring-Hesse


Publikationen

Lenger, Alexander; Rhein, Philipp (2018): Die Wissenschaftssoziologie Pierre Bourdieus. Wiesbaden: Springer VS.

Lessenich, Stephan; Rhein, Philipp (2017): Gesellschaftlich und kollektiv bindende Entscheidungen. Zum Verhältnis von Politik und Staat bei Pierre Bourdieu, in: Michael Hirsch und Rüdiger Voigt (Hrsg.): Symbolische Gewalt. Politik, Macht und Staat bei Pierre Bourdieu, Baden-Baden: Nomos, S. 55-74.

Marttila, Tomas; Rhein, Philipp (2017): Warum Menschen nicht wählen gehen. Eine empirische Studie zu den politischen Lebenswelten in München. Projektbericht Institut für Soziologie der LMU München. http://www.ls2.soziologie.uni-muenchen.de/forschung/abgeschlossene_projekte1/polemue1/ni_wa_muc__marttila_rhein.pdf [Stand: 09.11.2018].

Huchler, Norbert; Rhein, Philipp (2017): Arbeitshandeln und der digitale Wandel von KMU – Die Rolle des Menschen und die Grenzen der Formalisierung 4.0, in: Arbeit. Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik 26 (3-4), S. 287-314.

Lenger, Alexander; Rhein, Philipp (2014): Das wirtschaftswissenschaftliche Feld und das Feld der Macht, in: Katrin Hirte, Sebastian Thieme und Walter Otto Ötsch (Hrsg.): Wissen! Welches Wissen? Zu Wahrheit, Theorien und Glauben sowie ökonomischen Theorien, Marburg: Metropolis-Verlag, S. 319-345.


Vorträge

1/2018 
„Ich kann nicht ein Kreuzchen machen, wenn ich keinen kenne, um was es da geht überhaupt“. Über Wahlverzicht und die soziale Spaltung politischer Kompetenz.
Kolloquium in der Carl Friedrich von Siemens Stiftung (München)

9/2017
Politische Kompetenz und exklusive Solidarität. Gesellschaftstheoretische Perspektiven auf den Extremismus der Mitte.
Summer School „Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität“ (Tübingen)

8/2017 
From Deprivation to Populism. Locating the Social Origins of the Current Populist Upheaval.
Konferenz der Nordic Political Science Association (NoPSA) (Odense, Dänemark)

6/2017 
Politische Lebenswelten in München – Warum Menschen (nicht) wählen.
Projektpräsentation und Podiumsdiskussion an der LMU München.

7/2016 
Global Fields and Global Social Structures.
ISA Forum of Sociology (Wien).

6/2016
Die schwierige Vermittlung von Wissen über Nationalsozialismus und Shoah – Eine qualitativ empirische Studie zur historisch-politischen Bildung in der Schule.
Institut für Soziologie, Medien- und Kulturwissenschaften (ISMK) Karlsruhe.

10/2015
Professorale Arbeitskraftunternehmer*innen. Position und Positionierungen von Professor*innen unter dem Regime des akademischen Kapitalismus.
Studentischer Soziologiekongress Tübingen.

5/2014
Anerkannte und verkannte Gewalt – Pierre Bourdieus Konzept der symbolischen Gewalt als Analyseinstrument sozialer Herrschaft.
Interdisziplinäre studentische Tagung „Gewalt – Geschichte – Gesellschaft“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

11/2013
Freundschaft als Lebensform bei Habermas und Foucault.
Vortrag auf der studentischen Konferenz „Perspektiven nach der Postmoderne“ an der FU Berlin.