Richard Siegert

RichardSiegert.JPG

Richard Siegert
Doktorand im Promotionskolleg Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität

richardsiegert@posteo.de


Zur Person

Richard Siegert hat in Genf Internationale Beziehungen und Multilinguale Kommunikation, in Leipzig Journalistik und zuletzt in Jena Gesellschaftstheorie studiert. In seiner Masterarbeit untersuchte er aus sozialpsychologischer und sozialstrukturanalytischer Perspektive das gegenwärtige Wiedererstarken völkischer Ideologien in Teilen der deutschen Mittelschicht. Seit seinem Master-Studium  in Jena arbeitet Richard Siegert als freiberuflicher Übersetzer unter anderem für die deutsche Ausgabe der Monatszeitung Le Monde diplomatique, sowie als Politischer Jugend- und Erwachsenenbildner und ehrenamtlicher DAZ-Lehrer. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Gesellschaftstheorie, Rassismus-, Populismus- und Rechtsextremismusforschung sowie Ideologiegeschichte und -kritik.


Promotion

Die,neue‘Kapitalismuskritik der Neuen Rechten und der Nouvelle Droite

Ebenso wie ihre „konservativ-revolutionären“ Vordenker aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchen Teile der deutschen „Neuen Rechten“ (NR) und der französischen „Nouvelle Droite“ (ND) bereits seit ihren Anfängen in den 1960er Jahren, durch die Entlehnung und Umdeutung linker Konzepte – wie etwa die hegemonietheoretischen Überlegungen Antonio Gramscis – Diskurse zu beeinflussen, um auf diesem Weg eine „Kulturrevolution von rechts“ (Benoist 1985) einzuleiten.
Seit relativ kurzer Zeit sieht es nun so aus, als entdecke die bislang vor allem für ihre Kulturkritik bekannte NR die „soziale Frage“ wieder, die im extrem rechten Milieu in den vergangenen Jahrzehnten fast ausschließlich vom neonazistischen Lager thematisiert wurde. Dabei scheint die NR sich maßgeblich an ihrem französischen Pendant zu orientieren, in dessen Reihen bereits seit etwa zehn Jahren eine Wiederentdeckung bestimmter sozialpolitisch argumentierender Vertreter der „Konservativen Revolution“ stattfindet.
Ausgehend von dieser Reaktualisierung (neu-)rechter Kapitalismukritik und der damit verbundenen Renaissance bestimmter Autoren der „Konservativen Revolution“ in beiden Ländern sowie der wachsenden Einflussnahme des neu-rechten Milieus auf rechtspopulistische Akteur*innen wie die AfD soll im Rahmen der Promotion eine vergleichende Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) der Sozialdiskurse der NR und der ND durchgeführt werden.
Die vorläufige Fragestellung der Dissertation lautet: Welche sozialpolitischen Argumentationsmuster nutzen die NR und die ND? Daraus resultieren verschiedene untergeordnete Forschungsfragen, die im Rahmen der Promotion beantwortet werden sollen: Welche Vertreter der „Konservativen Revolution“ werden zurzeit mit welchen Begründungen wieder verstärkt in der NR und der ND rezipiert? Welche inhaltlichen und zeitlichen Kontinuitäten, Synergien, Unterschiede und Brüche in der Diskurs(re)produktion gibt es dabei in beiden Ländern? Warum kommt es gerade jetzt zu einer Renaissance der „sozialen Frage“? Und: Welche Schlüsse lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen hinsichtlich des zeitgenössischen Rechtspopulismus in Deutschland und Frankreich ziehen?

Betreuung:
Prof. Dr. Tanja Thomas
Prof. Dr. Hans-Jürgen Bieling


Vorträge

8/2014
„Ambivalente Freiheiten im Spätkapitalismus“
Veranstaltungsreihe „Denken in der Polis“ des Kollegs Friedrich Nietzsche (Weimar)