Richard Siegert

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Richard Siegert
Doktorand im Promotionskolleg Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität

Universität Tübingen
Promotionskolleg Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität
Gartenstraße 29
72074 Tübingen

richard.siegert@uni-tuebingen.de


Zur Person

Richard Siegert hat in Genf Internationale Beziehungen und Multilinguale Kommunikation, in Leipzig Journalistik und zuletzt in Jena Gesellschaftstheorie studiert. In seiner Masterarbeit untersuchte er aus sozialpsychologischer und sozialstrukturanalytischer Perspektive das gegenwärtige Wiedererstarken völkischer Ideologien in Teilen der deutschen Mittelschicht. Seit seinem Master-Studium  in Jena arbeitet Richard Siegert als freiberuflicher Übersetzer unter anderem für die deutsche Ausgabe der Monatszeitung Le Monde diplomatique, sowie als Politischer Jugend- und Erwachsenenbildner und ehrenamtlicher DAZ-Lehrer. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Gesellschaftstheorie, Rassismus-, Populismus- und Rechtsextremismusforschung sowie Ideologiegeschichte und -kritik.


Promotion

Der alte Antikapitalismus der Neuen Rechten: zur Renaissance der sozialen Frage im neu-rechten Milieu

Ebenso wie ihre „konservativ-revolutionären“ Vordenker aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchen Teile der deutschen „Neuen Rechten“ (NR) und der französischen „Nouvelle Droite“ (ND) bereits seit ihren Anfängen in den 1960er Jahren, durch die Entlehnung und Umdeutung linker Konzepte – wie etwa die hegemonietheoretischen Überlegungen Antonio Gramscis – Diskurse zu beeinflussen, um auf diesem Weg eine „Kulturrevolution von rechts“ (Benoist 1985) einzuleiten.
Seit relativ kurzer Zeit sieht es nun so aus, als entdecke die bislang vor allem für ihre Kulturkritik bekannte NR die „soziale Frage“ wieder, die im extrem rechten Milieu in den vergangenen Jahrzehnten fast ausschließlich vom neonazistischen Lager thematisiert wurde. Dabei scheint die NR sich maßgeblich an ihrem französischen Pendant zu orientieren, in dessen Reihen bereits seit etwa zehn Jahren eine Wiederentdeckung bestimmter sozialpolitisch argumentierender Vertreter der „Konservativen Revolution“ stattfindet.
Ausgehend von dieser Reaktualisierung (neu-)rechter Kapitalismukritik und der damit verbundenen Renaissance bestimmter Autoren der „Konservativen Revolution“ in beiden Ländern sowie der wachsenden Einflussnahme des neu-rechten Milieus auf rechtspopulistische Akteur*innen wie die AfD soll im Rahmen der Promotion eine vergleichende Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) der Sozialdiskurse der NR und der ND durchgeführt werden.
Die vorläufige Fragestellung der Dissertation lautet: Welche sozialpolitischen Diskursstrategien verfolgen die NR und der ND? Daraus ergeben sich verschiedene untergeordnete Forschungsfragen: Welche Autoren der „Konservativen Revolution" und welche linken Theoretiker*innen werden zurzeit mit welchen Begründungen und in welcher Form wieder verstärkt in der NR und der ND rezipiert? Welche inhaltlichen und zeitlichen Kontinuitäten, Synergien, Unterschiede und Brüche in der sozialpolitischen Diskurs- und Ideologie(re)produktion gibt es in Deutschland und Frankreich? Welche Vorstellung von Gesellschaft und Kapitalismus besitzen die NR und die NR und welche Rolle spielt die gegenwärtige Krise des Kapitalismus für die Renaissance der „sozialen Frage“ innerhalb des neu-rechten Milieus? Welche Werthorizonte liegen dem neu-rechten Antikapitalismus zugrunde und wie drücken sich diese in den Sozialdiskursen der NR und der ND aus? Welche Ziele verflogt der neu-rechte Antikapitalismus und wie sollen diese erreicht werden? Inwiefern unterscheidet er sich vom Antikapitalismus der neonazistischen bzw. völkischen Rechten? Und: Welche Schlüsse lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen hinsichtlich des zeitgenössischen Rechtspopulismus in Deutschland und Frankreich ziehen?

Betreuung:
Prof. Dr. Jörg Strübing
Prof. Dr. Tanja Thomas
Prof. Dr. Fabian Virchow


Vorträge

1/2019
Der neue Antikapitalismus der Neuen Rechten. Vortrag im Rahmen der Verleihung der FORENA-Nachwuchspreise und des Sonderpreises Demokratie und Zusammenhalt in der Vielfalt an der Hochschule Düsseldorf 

8/2014
Ambivalente Freiheiten im Spätkapitalismus. Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Denken in der Polis des Kollegs Friedrich Nietzsche (Weimar)